Zivi Horror 2

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Hanschristian
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Zivi Horror 2

Beitrag von Hanschristian » Mittwoch 16. Januar 2019, 14:06

kann mich der Beschreibung von "Zivi Horror" nur anschließen. Fast idente Situation. Dazu kommen allerdings noch klassisches Mobbing, ununterbrochene Kritik der Leitungsperson: Ich arbeite ( = zu 90% putze) zu langsam, bin mein Geld nicht wert, sie wird micht entlassen/rauswerfen.
Dazu meine Frage: "Entlassen" kann mich die Einrichtung nicht. Sie können mich nur bei nachweisbarer Dienstverweigerung an die Zivi-Agentur melden, die dann eine Verwarnung ausspricht. Und "zurückschicken" ebenfalls nicht - da müssten sie den Nichtbedarf an einem Zivi deklarieren. Sehe ich dies richtig?
Es ist mühsam, nervt und untergräbt das Selbstwertgefühl, da ich durchaus der Meinung bin, meine Arbeit gut zu tun.
Danke für Trost und Rat :(

Azby
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Re: Zivi Horror 2

Beitrag von Azby » Mittwoch 16. Januar 2019, 19:33

Hanschristian hat geschrieben:
> kann mich der Beschreibung von "Zivi Horror" nur anschließen.
> Fast idente Situation. Dazu kommen allerdings noch klassisches Mobbing,
> ununterbrochene Kritik der Leitungsperson: Ich arbeite ( = zu 90% putze) zu
> langsam, bin mein Geld nicht wert, sie wird micht entlassen/rauswerfen.
> Dazu meine Frage: "Entlassen" kann mich die Einrichtung nicht.
> Sie können mich nur bei nachweisbarer Dienstverweigerung an die
> Zivi-Agentur melden, die dann eine Verwarnung ausspricht. Und
> "zurückschicken" ebenfalls nicht - da müssten sie den Nichtbedarf
> an einem Zivi deklarieren. Sehe ich dies richtig?
> Es ist mühsam, nervt und untergräbt das Selbstwertgefühl, da ich durchaus
> der Meinung bin, meine Arbeit gut zu tun.
> Danke für Trost und Rat :(

Das siehst du im Wesentlichen richtig. Wenn du deine Arbeit machst, ist es - aus Sicht des Zivildienstgesetzes - egal, ob du zehn mal länger als alle anderen brauchst. Du bist kein Akkordarbeiter, sondern Zwangsverpflichteter, der seine Arbeit halt machen muss. Verweigern darfst du sie - sofern sich die Anweisungen im Rahmen des Zuweisungsbescheides bewegen - nicht, das war es aber schon. Kritik an Zivildienern gibt es natürlich und wird es immer geben. Das kann psychisch belastend sein, was eine "Entlassung" etc anbelangt brauchst du aber nichts befürchten, solange die Einrichtung dich nicht diffamiert.
Davon abgesehen, dass ein Zivildiener so gut wie nichts kostet und "sein Geld" daher immer wert ist, weil auch ein noch so langsamer Zivi immer noch verhältnismäßig viel Leistung für "sein Geld" erbringt, spielt es für das Zivildienstgesetz und die ZISA überhaupt keine Rolle, ob du "dein Geld wert" bist.

Nach § 38 Abs 4 ZDG hat der Rechtsträger auch unter anderem für den Schutz deines Lebens und deiner Gesundheit zu sorgen, wobei sich diese Verpflichtung nach den Bestimmungen richtet, die für "hauptberuflich" bei der Einrichtung Tätige gilt. Da auch im allgemeinen Arbeitsrecht ein Mobbingverbot gilt, muss der Rechtsträger unsachliche Kritik, die dich bloß schikanieren soll, unterbinden. Tut er das, obwohl er Kenntnis von solchen Vorgängen hat, nicht, begeht er eine Verwaltungsübertretung (--> Verwaltungsstrafe). Dazu kommt, dass ein allfälliger durch das Mobbing hervorgerufener psychisch bedingter "Krankenstand" durch den Zivildienst veranlasst ist und somit nicht zur höchstzulässigen Anzahl an Krankenstandstagen zählt. Je nachdem, wie lange dein Zivildienst noch dauert, kannst du also durchaus den Rechtsträger (in Person eines Geschäftsführers etc - abhängig davon, wo du Zivildienst leistest) darüber informieren, dass du grundlos gemobbt wirst und vom Rechtsträger erwartest, dass er etwas gegen solche Vorgehensweisen unternimmt, weil er dazu verpflichtet ist. Tut er das dann nicht, kannst du ihn anzeigen und dich, wenn die psychische Belastung zu groß wird, gesundheitsbedingt dienstunfähig melden und dabei gleich deutlich darauf hinweisen, dass die Dienstunfähigkeit auf den Zivildienst zurückzuführen ist. Dabei empfiehlt es sich, sich vom Arzt auf der Bestätigung vermerken zu lassen, dass es sich um eine auf den Zivildienst zurückzuführende Erkrankung handelt.

Hanschristian
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Re: Zivi Horror 2

Beitrag von Hanschristian » Donnerstag 17. Januar 2019, 08:49

danke für die ausführliche Antwort. Jetzt sehe ich schon klarer und Licht am Ende des Tunnels.
"Rechtsträger" ist immer die ZISA- also Beschwerde wegen Mobbing ist dort einzubringen? In der Einrichtung selbst ist Leitungsperson gleich Mobbingperson. An diese Adresse wäre eine Beschwerde sinnlos.
Einsicht in "verbrauchte" Krankenstands- und Urlaubstage muss mir auch die Einrichtung geben oder liegt dies nur bei der ZISA auf?
Bin froh und dankbar über diese Forum - den Verwaltungsdschungel alleine zu durchblicken ist schon schwierig!

abschaffen
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Re: Zivi Horror 2

Beitrag von abschaffen » Donnerstag 17. Januar 2019, 21:57

Ich würde aus Beweisgründen ein Mobbing-Tagebuch führen.

https://media.arbeiterkammer.at/PDF/Mob ... gebuch.pdf

Azby
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Re: Zivi Horror 2

Beitrag von Azby » Freitag 18. Januar 2019, 00:10

Hanschristian hat geschrieben:
> "Rechtsträger" ist immer die ZISA- also Beschwerde wegen Mobbing
> ist dort einzubringen?

Rechtsträger ist das Unternehmen/der Verein/die Gebietkörperschaft usw, das/der/die die Einrichtung betreibt, der du zugewiesen bist. Der Rechtsträger steht auch im Zuweisungsbescheid.

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