Wohnung als Zivildiener aufräumen.

Alles über deine Rechte als Zivildiener...

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Ziimex
Jungzivi
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Wohnung als Zivildiener aufräumen.

Beitrag von Ziimex »

Hallo,

bin seid 1.Oktober in der Zivi Stelle und mein Aufgabenbereich laut Zuweisung sind: Betreuung und Pflege von Pflegebedürftige Personen und Behinderten, Gartenarbeit, Hohl-Bringdienste, Büro - Putzaufgaben.

Wir haben einen Klienten dem ich Jeden Dienstag begleiten muss zum Tischlein Deck Dich was auch kein Problem für mich ist, aber seine Wohnung ähnelt einer Messiwohnung und ist total zugeraucht weil er ein Starker Raucher ist und ich Nichtraucher bin und hab auch schon einige verschiemelte Nahrungsmittel im Waschbecken gesehen als ich Ihn abholen musste, nun hab ich von der Stelle von einer Mitarbeiterin die Aufgabe bekommen Bananenkartons im ein Geschäft zu Sammeln und dann in seine Wohnung aufzuräumen (wer noch alles dabei ist weis ich bis dato nicht), nun meine Frage ist:

-muss ich das machen ?
-darf ich die Aufgabe verweigern, weil ich halt es nicht 5 min in seiner Wohnung aus ohne das es mir hochkommt da ich mich vor solchen Wohnungen leider total Ekle und der Starke Rauchgestank unangenehm für mich ist.

Ich bedanke mich schon mal im Voraus für eure Antworten.
Azby
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Beiträge: 808
Registriert: Donnerstag 10. April 2008, 21:54

Re: Wohnung als Zivildiener aufräumen.

Beitrag von Azby »

Ziimex hat geschrieben:
> Hallo,
>
> bin seid 1.Oktober in der Zivi Stelle und mein Aufgabenbereich laut
> Zuweisung sind: Betreuung und Pflege von Pflegebedürftige Personen und
> Behinderten, Gartenarbeit, Hohl-Bringdienste, Büro - Putzaufgaben.
>
> Wir haben einen Klienten dem ich Jeden Dienstag begleiten muss zum
> Tischlein Deck Dich was auch kein Problem für mich ist, aber seine Wohnung
> ähnelt einer Messiwohnung und ist total zugeraucht weil er ein Starker
> Raucher ist und ich Nichtraucher bin und hab auch schon einige
> verschiemelte Nahrungsmittel im Waschbecken gesehen als ich Ihn abholen
> musste, nun hab ich von der Stelle von einer Mitarbeiterin die Aufgabe
> bekommen Bananenkartons im ein Geschäft zu Sammeln und dann in seine
> Wohnung aufzuräumen (wer noch alles dabei ist weis ich bis dato nicht), nun
> meine Frage ist:
>
> -muss ich das machen ?
> -darf ich die Aufgabe verweigern, weil ich halt es nicht 5 min in seiner
> Wohnung aus ohne das es mir hochkommt da ich mich vor solchen Wohnungen
> leider total Ekle und der Starke Rauchgestank unangenehm für mich ist.
>
> Ich bedanke mich schon mal im Voraus für eure Antworten.

Der Rechtsträger der Einrichtung hat gemäß § 38 Abs 4 ZDG "für den Schutz des Lebens, der Gesundheit und der Sittlichkeit der Zivildienstleistenden bei Ausübung ihres Dienstes vorzusorgen". Der Umfang, in dem er dafür zu sorgen hat, richtet sich nach den Bestimmungen, die für diejenigen Personen gelten, die bei der Einrichtung mit im wesentlichen gleichartigen Dienstleistungen beschäftigt sind (also die "Hauptberuflichen"). Das für die Beschäftigung von Arbeitnehmern geltende Arbeitnehmerschutzgesetz regelt, dass Arbeitgeber dafür zu sorgen haben, dass nicht rauchende Arbeitnehmer vor den Einwirkungen von Tabakrauch am Arbeitsplatz geschützt sind, soweit dies nach der Art des Betriebes möglich ist. Jetzt lässt sich natürlich trefflich darüber streiten, ob dieser Schutz nach der Art des Betriebes möglich ist. MMn ist das sehr wohl möglich, indem man rauchende Arbeitnehmer in die Wohnungen schickt, in denen geraucht wird. Die Schutzbestimmung schützt nach ihrem Wortlaut nämlich nur Nichtraucher. Ob der Rechtsträger andere Arbeitnehmer hat, die rauchen, die er dort auch hinschicken kann, ist sein Problem. Es ist nicht deine Aufgabe als Zivildiener, dir im Zivildienst ein Lungenkarzinom "anzuatmen".

Je nachdem, wie entgegenkommend dein Vorgesetzter ist, kann eine Weigerung entweder dazu führen, dass sie tatsächlich wen anderen hinschicken und die Sache somit für dich erledigt ist, oder dass sie auf stur schalten und meinen, du bist als Zivi ein Mensch zweiter Klasse, der gefälligst zu tun hat, was man dir sagt. Sowas führt dann fast zwangsläufig zu einer Anzeige wegen Nichtbefolgen einer Weisung (Verwaltungsübertretung). Das Nichtbefolgen einer Weisung ist jedoch nur verwaltungsrechtlich strafbar, wenn die Weisung auch wirklich vom Vorgesetzten kommt. Vorgesetzter ist eine bestimmt bezeichnete Person, nicht "jeder im Betrieb" oder ähnliche Scherze. Wenn dir der Vorgesetzte nicht genannt wurde oder er dir zwar schon genannt wurde und dir die Weisung wer anderer gibt, liegt keine Strafbarkeit vor. Um derartige Tatsachenfragen in einem allfälligen Verwaltungsstrafverfahren beweisen zu können, solltest du daher genaue Notizen darüber führen, wer dir als Vorgesetzter genannt wurde und welche Person dir wann welche Weisung erteilt hat. Selbst wenn die Weisung vom Vorgesetzten kommt, bleibt die Nichtbefolgung straflos, wenn die Weisung "die Menschenwürde verletzt". Die Bestimmung stammt noch aus der Stammfassung des Zivildienstgesetzes 1974. Der Gesetzgeber hat sich damals am Militärstrafgesetz orientiert. In der Regierungsvorlage wurde klargestellt, dass der Schutz der Menschenwürde den "Forderungen der Europäischen Menschenrechtskonvention" dient, aber nicht genau ausgeführt, was alles darunter fällt. Beispielhaft wird nur darauf hingewiesen, dass die Menschenwürde jedenfalls dann verletzt wird, wenn der Vorgesetzte durch seine Weisung zum Ausdruck brächte, dass er dem Weisungsempfänger "eine seiner Menschenwürde entsprechende Behandlung, insbesondere das Recht auf Behandlung als Mensch schlechthin abspricht, zum Beispiel ihn als Angehörigen eines minderwertigen oder wertlosen Teiles der Gesamtbevölkerung darstellt. Der Befehl, zum Beispiel sich selbst vor anderen als minderwertigen Menschen zu bezeichnen, verletzt die Menschenwürde des Betroffenen." Daraus ist für deinen Fall nicht viel gewonnen. Eine Weisung, sich einer evidenten Gesundheitsgefahr auszusetzen, die offensichtlich auch der Gesetzgeber erkannt hat, indem er entsprechende Nichtraucherschutzbestimmungen erlassen hat, obwohl der Zivildiener darauf hingewiesen hat, dass er nicht gewillt ist, sich dem Gesundheitsrisiko freiwillig auszusetzen, verletzt mMn sehr wohl die Menschenwürde, wird dem Zivildiener doch die Wichtigkeit des Schutzes seiner Gesundheit abgesprochen.
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