Lächerlich!

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Eugen1110
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Lächerlich!

Beitrag von Eugen1110 »

Irgendwie finde ich unsere Gesellschaft etwas fragwürdig.
Einerseits liest man monatlich in der Zeitung, dass Unternehmen, die sich in der Zeit vor und während des 2. Weltkriegs durch Sklavenarbeit bereichert haben, Millionen Euro an Rückzahlungen und Entschädigungen zu leisten haben und alle regen sich darüber furchtbar auf.

Andererseits geschieht das gleiche mit uns: Wir sind nichts anderes als Sklaven! Wir müssen ein Jahr lang für einen Hungerslohn, mit dem es schwer ist über die Runden zu kommen, arbeiten, haben praktisch keine Rechte (Streikrecht etc.), keine Möglichkeit uns gegen Vorgsetzte zu wehren und arbeiten für Organisationen, die sich an uns verdienen und uns ausbeuten. Wo ist da die Rede von Freiheit?

Im übrigen noch was zum Verpflegungsgeld: Man steritet sich ja momentan wer die Rückzahlungen zu leisten- Innenministrium, die Trägerorganisationen etc.
Dabei ist doch völlig klar wer das zu zahlen hat, nämlich die Organisationen die an uns verdienen. Da nützen sie uns nach Strich und Faden aus, verdienen an uns, zahlen extrem wenig und bekommen noch Geld vom Staat für uns.
Und dann wird überlegt wer das anfällige Verpflegungsgeld zu zahlen hat? In meinen Augen ist das eine Frechheit.
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MA2412
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Beitrag von MA2412 »

Die meisten haben es "leider" verabsäumt lang genug zu leben.

Schon eine Frechheit, daß das Restitutionsgesetz mehr als ein halbes Jahrhundert später kommt.
Sclaverey oder Leibeigenschaft, und die Ausübung einer darauf sich
beziehenden Macht, wird in diesen Ländern nicht gestattet.
(aus § 16 ABGB)
Eugen1110
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Beitrag von Eugen1110 »

Ich weiß schon dass sich unsere System nicht mit KZ-Insassen vergleichen lässt. Ich meinte nur das Pirnizip dass sich 'Firmen' an Zwangsarbeiten bereichern. Alle finden dass so entsetzlich, aber dass das gleiche mit uns geschieht merken sie nicht
R4iden
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Beitrag von R4iden »

Naja gebessert hat es sich aber wenigstens, jetzt bekommt ja jeder mindestens ein Verpflegungsgeld von EUR 8,84(bei -35%) was ja auch nicht schlecht ist, meistens wird aber eh nur 10 - 15 % abgezogen.

Was die zurückzahlungen angeht ist natürlich ärgerlich das noch immer nichts zustandegekommen ist...
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hintaryx
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Beitrag von hintaryx »

ein bisschen weit hergeholt, in den meisten fällen is zivi nix anderes als ein schlechter job mit schlechter bezahlung. das mit sklavenarbeit oder überhaupt mit konzentrationslagern zu vergleichen find ich ziemlich übertrieben.

ein bisschen mut für alle:
1) es dauert nicht mehr lang (egal ob du erst grad angefangen hast oder nicht)

2) es gibt leut die würden sich sogar über DEN job freuen (traurig oder wahr)

3) wenn sogar der samenritterbund fast 600 euro monatlich zahlt kanns bei den anderen wirklich nicht mehr lang dauern!

;-)
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Kinettenhauser
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Beitrag von Kinettenhauser »

in den meisten fällen is zivi nix anderes als ein schlechter job mit schlechter bezahlung.
Wenn du Zivildienst mit z.B. Zwangsprostitution vergleichst: Ja. Ansonsten:Nein.
Sorry aber das kann man nicht so stehenlassen. Du schreibst ja selbst es ist ein bisschen weit hergeholt.
Denn der Zivildienst ist kein privatwirtschaftliche Arbeitsverhältnis im Sinne des österreichischen Arbeitsrechts sondern ein öffentlich-rechtlicher Staatsdienst. Es ist und bleibt Zwangsarbeit. Selbstverständlich sind die ausgeführten Tätigkeiten mitunter die selben wie in der Privatwirtschaft, aber die Reduzierung auf diese Tatsache greift etwas zu kurz.
Wer seine Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu erreichen, wird beides verlieren.
- Benjamin Franklin
hintaryx
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Beitrag von hintaryx »

es stimmt schon das es kein privatwirtschaftliches arbeitsverhältnis ist, aber zwangsarbeit, sklaverei, zwangsprostitution und strafarbeit in einem kz ist jedenfalls weiter vom zivildienst entfernt als ein ordentliches dienstverhältnis.
natürlich sind die arbeitsbedingungen beim zivildienst suboptimal, in manchen fällen vielleicht auch nicht in ordnung, aber im prinzip ist der zivildienstmarkt ein kleiner parallelarbeitsmarkt:
1) man hat als zivi (bedenkt man örtliche einschränkungen, persönliche fähigkeiten, administratives, verfügbarkeit) die möglichkeit sich seine stelle auszusuchen
2) man wird als zivi entlohnt. sicherlich hat es lang gedauert bis die gründvergütung angepasst wurde, aber das ist jetzt erledigt und offenbar wird in diesen tagen auch den letzten zivis ein höheres verpflegungsgeld ausgezahlt.. eine entschädigung von über 600 euro ist zwar noch immer kein volles gehalt (noch lange nicht), nur wage ich zu beweifeln, das viele (natürlich gibt es ausnahmen) zivildiener vor dem zivildienst ein höheres einkommen gehabt haben.
3) man hat sehr wohl maßnahmen mit ungerechtigkeiten von vorgesetzten umzugehen.. die palette ist breit, angefangen von ordentlichen beschwerden, beschwerden bei der ZDV, offenen gesprächen mit vorgesetzten (überhaupt das wundermittel schlechthin), gepflegte arbeitsverweigerung (vulgo obezahn) ist auch nicht unbeliebt, und wenn das nicht hilft dann tritt der krankenstand auf den plan.

bin ich hier der einzige der zwar nicht hundertprozentig mit dem zivildienst zufrieden ist aber das beste draus machen will anstatt dauernd zu jammern?
und bin ich hier der einzige der zivildienst nicht mit konzentrationslagern oder zwangsprostitution in einen topf wirft?
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Kinettenhauser
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Beitrag von Kinettenhauser »

hintaryx hat geschrieben:bin ich hier der einzige der zwar nicht hundertprozentig mit dem zivildienst zufrieden ist aber das beste draus machen will anstatt dauernd zu jammern?
und bin ich hier der einzige der zivildienst nicht mit konzentrationslagern oder zwangsprostitution in einen topf wirft?
Der Anstoß dieser Debatte war nicht ein Vergleich der Arbeitsbedingungen KZ / ZD sondern der finanziellen Entschädigungen, was nicht verwerflich ist, da hier schlicht schlechte politische Arbeit aufgezeigt wird. Weiters ist festzustellen, dass weder Eugen, MA2412, R41Den noch ich den Zivildienst mit KZ Lagerarbeit in einen Topf geworfen haben, du bist also nicht der einzige.

Wir sind hier nur für das verantwortlich was wir schreiben, nicht für das, was du reininterpretierst.

Und wenn jeder gusch ist anstatt die Probleme aufzuzeigen wird sich nie etwas daran ändern.
Wer seine Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu erreichen, wird beides verlieren.
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hintaryx
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Beitrag von hintaryx »

ich finds toll, dass von den forummods hier viel aufklärungsarbeit für zivis geleistet wird und auch die lobbyarbeit von zivildienst.at zB sollte nicht unerwähnt bleiben.. hat mir auch persönlich geholfen den verpflegungstopfdschungel zu durchblicken..

das die politische arbeit für minderheiten ohne nennenswerte interessensvertretung immer mangelhaft sein wird, das kann dieses forum auch nicht ändern, aber was fehlende finanzielle entschädigungen angeht habt ihr eindeutig recht. trotzdem finde ich den vergleich restitutionszahlungen ns-opfer und nachzahlung verpflegungsgeld zildiener geschmacklos. oder gehts mir zu gut beim zivildienst?

schön das es idealisten wie dich gibt kinettenhauser (siehe auch deine signatur), nur ist das hochspielen der situation schon ein bisschen übertrieben. da wird mit begriffen geworfen die wirklich an menschliche katastrophen denken lassen und nicht an ein jahr (respektive 9 monate) zivildienst um "zumindest etwas sinnvolles anstatt dem heer zu tun".. es weiss doch jeder auf was er sich einlässt..
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Z@BPDWIEN
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Beitrag von Z@BPDWIEN »

hintaryx hat geschrieben:es stimmt schon das es kein privatwirtschaftliches arbeitsverhältnis ist, aber zwangsarbeit, sklaverei, zwangsprostitution und strafarbeit in einem kz ist jedenfalls weiter vom zivildienst entfernt als ein ordentliches dienstverhältnis.
NIEMAND will oder wollte den Wehrdienst/Zivildienst mit der Zwangsarbeit in einem Konzentrationslager vergleichen.
Übrigens wenn wir pingelig sind die Abkürzung "KZ" ist NS-Terminologie. Die Abkürzung für ein Konzentrationslager ist "KL". "KZ" wurde von den Nazis eingeführt weil es "markanter" klingt.

Ein Zwangsdienst ist ein Dienst den man aufgrund eines Zwanges also einer Sanktion oder Sanktionsmöglichkeit ausführt.

Der Zwang (die Sanktion) besteht in Geld- und Gefängnisstrafen bei einer Verweigerung.
Von Freiwilligkeit kann man daher nicht sprechen.

Deiner Argumentation nach - auch wenn ich jetzt leider deinen Vergleich mit den Zwangsarbeitern im NS heranziehen muss - wurde in den KL freiwillig gearbeitet weil sie hätten sich ja auch erschießen lassen können.

Diese Argumentation ist daher zu verwerfen.

Zwang ist jeder psychische, finanzielle oder soziale Druck der auf eine Person ausgeübt wird.
Nicht nur eine direkte körperliche Einwirkung ist Zwang.

Ja der Zivildienst ist gesetzlich legitimiert aber deswegen machen ihn die Zivildiener noch nicht freiwillig.

Dass es sich dabei um einen Zwangsdienst handelt wird aus daraus ersichtlich dass in das Verbot des Zwangsdienstes (EMRK) ausdrücklich die Bestimmung aufgenommen wurde dass der Militärdienst und ein Ersatzdienst dafür nicht als Zwangsdienst gelten
Wenn dahinter kein Zwang wäre, müsste man das nicht extra gesetzlich bestimmen.
Deshalb sind die betreffenden Teile des ZDG auch in Verfassungsrang gehoben damit es keine Prüfung auf eine Verfassungsmäßigkeit geben kann da diese Bestimmungen leitenden Verfassungsprinzipien widersprechen.
Quentin
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Beitrag von Quentin »

nit schon wieder a zwangsdienst disussion...
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Kinettenhauser
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Beitrag von Kinettenhauser »

Zu Z's Posting möchte ich noch folgendes hinzufügen:
Erklärung für Nicht-Juristen: EMRK = Europäische Menschenrechtskonvention und damit verbundene Bestimmungen.
hintaryx hat geschrieben:trotzdem finde ich den vergleich restitutionszahlungen ns-opfer und nachzahlung verpflegungsgeld zildiener geschmacklos. oder gehts mir zu gut beim zivildienst?
Zur Zwangsarbeit hat Z schon alles gesagt.

Zu den Zahlungen: Es sei dir natürlich unbenommen es geschmacklos zu finden. Es geht hier aber vordergründig um einen Vergleich auf administrativer Ebene. Sowohl bei den Restitutionszahlungen als auch bei den Nachzahlungen des Verpflegungsgeldes geschah lange zeit gar nichts. Und sowohl bei den Restitutionszahlungen als auch beim Verpflegungsgeld gibt es unnötige bürokratische Hürden, die die Erlangung des zustehenden Geldes erschwerden.

Zivildiener, die um ihr Geld bangen müssen und mitunter Existenzängste und Sorgen deswegen haben, können da schon einmal hitzige Beiträge verfassen um ihrem Ärger Luft zu machen, das ist doch nur menschlich. Kann es sein, dass du im täglichen Leben nicht so auf dieses Geld angewiesen wie es andere sind, und das ganze darum lockerer siehst?

@Quentin: Offensichtlich ist es immer wieder notwendig :)
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Beitrag von hintaryx »

danke z, wenn man es so sachlich betracht bist du jedenfalls im recht.
nur gibt es leider nicht nur leute wie dich, kinettenhauser und einige andere, die jeden post auf die waagschale legen und ihren standpunkt fundiert darlegen. die mehrheit betreibt billige phrasendrescherei die ich einfach nicht gutheiße..

sorry falls ich da eine schon dagewesene diskussion vom zaun gebrochen hab - ich les noch nicht so lange hier mit..
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Beitrag von semtex »

auch wenns zum himmel stinkt, bitte vergleiche wie zivis ähneln KZ Häftlichen einstellen :) Könnte leicht strafbar wirkn, außerdem find ich den vergleich markaber...

und was die entschädigungszahlungen betrifft... tjo... nur wer es sich leistn kann und lang genug gelebt hat... .at eben
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Eugen1110
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Beitrag von Eugen1110 »

erstens habe ich nicht Zivildiender mit Juden während des 2.WKs verglichen. Das kann man nicht vergleichen und darüber zu diskutiern ist lächerlich!
Ich habe die Unternehmen verglichen die sich damals durch Zwangsarbeit bereichert haben, mit den Organisationen die sich jetzt genauso an uns bereichern.

Außerdem habe ich nicht einmal das Wort KZ verwendet.
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Beitrag von MA2412 »

Z@BPDWIEN hat geschrieben:Deshalb sind die betreffenden Teile des ZDG auch in Verfassungsrang gehoben damit es keine Prüfung auf eine Verfassungsmäßigkeit geben kann da diese Bestimmungen leitenden Verfassungsprinzipien widersprechen.
Streich das "leitenden".
Ansonsten wäre eine VfGH-Überprüfung sehr wohl möglich, da die Einführung der Wehrpflicht nicht nach Art. 44 Abs. 3 B-VG legitimiert wurde, was für die Änderung leitender Verfassungsprinzipien notwendig ist.
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Beitrag von MA2412 »

KL-Insassen mußten arbeiten.
Trotzdem ist wohl die Bezeichnug einer Tätigkeit als "Arbeit" kein unzulässiger NS-Vergleich.

"Zivildienst ist Zwangsarbeit" in Sinne von "Zivildienst ist Arbeit, zu der man gezwungen wird" ist Fakt.

"Zivildienst ist ähnlich arg wie die Zwangsarbeit in KLs" ist natürlich eine verwerfliche Aussage.
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