Plattform für Zivildiener: Letzte Zusammenkunft

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Flose
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Plattform für Zivildiener: Letzte Zusammenkunft

Beitrag von Flose »

Liebe Kollegen und Ex-Kollegen!

Die Plattform für Zivildiener lädt ein zum Public Viewing der Ergebnisse zur Volksabstimmung.

20.1.2013, 16.30 Uhr
Wien, Bieradies: http://www.hoppala.net

Aktive und ehemalige Zivildiener sind herzlich willkommen.

Das Bieradies steht gegenüber des Verfassungsgerichtshofes. Das ist der Ort, wo Zivildiener im Verpflegungsgeld-Verfahren 2000 bis 2007 der Republik und dem verurteilten Innenminister Strasser durch Selbstorganisation und Zähigkeit einiges vom gestohlenen Geld zurückgeholt haben.

Die Zeiten habe sich seither gewandelt. Verkürzter Dienst und immer jüngere Zivildiener ohne Erfahrung in der Selbstorganisation haben die Plattform allmählich einschlafen lassen. Wir Ex-Zivis sind weit weg vom Geschehen und den Sorgen und Bedürfnissen der aktiven Zivildiener. Viele Probleme sind gleich geblieben (zB Wohnkostenbeihilfe, Zuweisungswünsche, gesetzeswidrige Diensteinsätze), aber die Bereitschaft, sich zu organisieren, hat massiv abgenommen.

Am 20.1. werden wir entweder den Vorstand neu wählen oder den Auflösungsbeschluss fassen.

Beste Grüße
Flose

für den Verein Plattform für Zivildiener
thomas007
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Re: Plattform für Zivildiener: Letzte Zusammenkunft

Beitrag von thomas007 »

Plattform für Zivildiener - so etwas gibt es noch?

Darf ich fragen wieviele (aktive) Mitglieder euer Verein hat? Ich finde es sehr schade, dass es keine Zivildiener-Vertretung in der öffentlichen Wahrnehmung (mehr) gibt, gerade im Vorfeld der Volksbefragung hätte es ein paar Berichte geben können.

Ich stimme deiner Analyse aber zu. Insgesamt habe ich leider keine sehr hohe Meinung von den meisten Zivildienern heutzutage. Zumindest bei mir war es so, niemand hatte auch nur ansatzweise Interesse an jeglicher Form von Solidarität, jeder Missstand wurde als gottgegeben angesehen. Auch hier im Forum verbreitet sich der Egoismus. Die wenigen Aktiven hier im Forum verwenden ihre Freizeit dafür, Fragen mit immenser Bedeutung für die Betroffenen zu beantworten, und oftmals loggen die Fragesteller sich nie wieder ein, weder für ein einfaches "Danke", und schon gar nicht um vom "Ergebnis" zu berichten.
Eine Interessenvertretung ohne jene, deren Interessen man vertritt, klingt ein wenig traurig.
Und nachdem meine negative Grundhaltung wahrscheinlich schon durchgeklungen ist: Am Sonntag wird die Wehrpflicht für die nächsten 20 Jahre "in Stein gemeißelt", fürchte ich.

Hiermit nütze ich mal die Gelegenheit und bedanke mich bei allen Zivildienern, die sich für ihre Kollegen engagieren.

LG Thomas
Azby
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Re: Plattform für Zivildiener: Letzte Zusammenkunft

Beitrag von Azby »

thomas007 wrote:
> Ich finde es
> sehr schade, dass es keine Zivildiener-Vertretung in der öffentlichen
> Wahrnehmung (mehr) gibt, gerade im Vorfeld der Volksbefragung hätte es ein
> paar Berichte geben können.
> ...
> Und nachdem meine negative Grundhaltung wahrscheinlich schon durchgeklungen
> ist: Am Sonntag wird die Wehrpflicht für die nächsten 20 Jahre "in
> Stein gemeißelt", fürchte ich.

Da muss ich dir recht geben. Eine Berichterstattung, die objektiv gezeigt hätte, wie es im Zivildienst zugeht, hätte sicherlich so manchen Wehrpflicht-Befürworter zum Nachdenken gebracht, besonders wo viele Leute wohl für die Wehrpflicht stimmen, weil sie mit der Abschaffung des Zivildienstes den Untergang des Staats befürchten, weil irgendwelche nichtsahnenden Politiker Horrorgeschichten erzählen, dass die Rettung dann stundenlang braucht. :roll:
Leider sehe ich auch in meinem Bekanntenkreis, wo zwar die Mehrheit gegen die Wehrpflicht ist, genügend Leute, die sich von den scheinheiligen Argumenten der Wehrpflichtbefürworter-Parteien überzeugen lassen. Und oftmals scheinbar wegen Desinformation.
Wenn die Volksbefragung nicht nur eine reine Parteienschlacht geworden wäre, sondern objektive Berichte von ehemaligen Wehr- und Zivildienern in die öffentliche Diskussion mit eingebracht worden wären, hätte das vielleicht manchen Leuten aufgezeigt, dass die Wehr- und Zivildienstpflicht so notwendig nicht sein kann, wenn mehr als die Hälte der Zeit mit Nichtstun oder sinnlosen Sachen verbracht wird.
Die Abschaffung der Wehr- und Zivildienstpflicht könnte ein guter Motor sein, um auch beim Sozialsystem ohne Leistungseinbußen für den Einzelnen "aufzuräumen" und etwas mehr Effizienz rein zu bringen, beispielsweise wenn man sich im momentanen Rettungswesen anschaut, wieviele Zivildiener damit beschäftigt sind, vollkommen bewegliche Leute alle 2 Tage mit einem mit min. 2 Mann besetzten KTW von zu Hause ins Spital und wieder zurückzuführen. Eine Tätigkeit, die ein Taxi zuverlässiger und mit weniger Ressourcenaufwand bewältigen könnte.

Aber jetzt schweife ich wieder zu sehr ab.
Auch wenn die Volksbefragung eine politische Präsentationsbühne für die Koalitionsparteien war/ist, wird ihr Ausgang entscheidend für die Zukunft einer Vielzahl junger Österreicher sein. Daher kann ich nur jedem, auch den ehemaligen Zivildienern, raten, hinzugehen und ihre Meinung kundzutun.
Flose
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Re: Plattform für Zivildiener: Letzte Zusammenkunft

Beitrag von Flose »

Die Plattform hat sich nach dem Ende der letzten Verpflegungsgeld-Verfahren (zwischen 2007 und 2008 z.T. nach acht Jahren Verfahren) allmählich verlaufen. Das heißt nicht, dass sie wiederbelebt werden könnte. Dazu braucht es Betroffene und Helfer. Wir "alten Herren" helfen gerne dabei, die Initiative muss aber von Betroffenen kommen. Wir werden die Domain und den Namen sicher an keine Partei-Vorfeld-Organisation abgeben. Unabhängigkeit von Parteien und Subventionen und Vertretung von und für Betroffene war immer unser Zugang.

Vielleicht gibt es am Sonntag Möglichkeit, über Perspektiven zu sprechen.

Das Forum wird es auf jeden Fall weiterhin geben, weil es dankenswerter Weise ein paar Privatleute immer noch dulden. Die Zivis verdanken diesem Forum sehr viel, denn es hat lange vor Facebook eine schlagkräftige Gemeinschaft geformt.
abschaffen
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Re: Plattform für Zivildiener: Letzte Zusammenkunft

Beitrag von abschaffen »

Flose hat geschrieben:

> Das heißt nicht, dass sie wiederbelebt werden könnte.

Ein Freud'scher Versprecher.

Für viele Problemstellungen (vor allem Rechtliches) ist das Forum besser, weil durch die Diskussionen eine immer größer werdende Wissensdatenbank entsteht, die man mit der Suchfunktion abfragen kann. Man kann die Leute hier auch zwingen, Originalbescheide anonymisiert zu veröffentlichen, indem man ihnen vorher ganz einfach keine Auskunft gibt. Dadurch wird das Unrechtssystem Zwangsarbeit in bester Weise öffentlich und in allen Online-Archiven für die Ewigkeit dokumentiert. Durch Mitlesen und Mitdenken entsteht hier auch leichter Nachwuchs als in irgendwelchen Vereinen.

Ein Verein könnte dafür (im Gegensatz zum Forum) eine schlagkräftige Öffentlichkeitsarbeit machen. Zum Beispiel mit Presseaussendungen, Interviews mit dem Obmann oder Aktionismus. Das Gesicht vom Landau und seinen heuchlerischen "Caritas"-Schergen will ich sehen, wenn während seiner blödsinnigen Asyl-Heulereien österreichische Zwangsarbeiter mit Transparanten durch den Bildschirm laufen. Die islamische Besetzung der Votivkirche war bzw. ist wie geschaffen dafür.

Der Verein betreibt aber anscheinend keinerlei Öffentlichkeitsarbeit, weil nicht einmal ich wusste, dass es diesen Verein überhaupt gibt. Wahrscheinlich habt Ihr kein Geld. Ohne Lebenszeichen keine Geldgeber, aber ohne Geldgeber natürlich auch keine Lebenszeichen in den Medien.

Egal wie die RECHTLICH NICHT BINDENDE Volksbefragung morgen ausgeht, werden die Grundprobleme bleiben.

Wenn der Zivildienst abgeschafft wird, werden die Politiker und ihre Günstlinge ihre Spielchen eben mit dem "freiwilligen Sozialjahr" treiben, das für Arbeitslose bald verpflichtend sein wird. Dann wird die Bezahlung eingefroren und von der Inflation aufgefressen, und nach ein paar Jahren entpuppt sich der Scheiß als Reichsarbeitsdienst 2.0. Welche Schikanen uns erwarten, kann man in deutschen Hartz IV-Foren nachlesen.

Bei den Juristen haben sie es schon vorexerziert. Zuerst gab es das GerichtsJAHR. Da man nach einem JAHR Beschäftigung aber Anspruch auf Arbeitslosengeld erwarb, verkürzte man die Gerichtspraxis auf 9 Monate. Die Bezüge waren in Prozent einer bestimmten Gehaltsgruppe festgelegt. Dadurch stieg der Bezug der Rechtspraktikanten so stark, wie die Richtergehälter stiegen - also recht passabel, weil die Gewerkschaft öffentlicher Dienst sehr mächtig ist. Dann schrieb man plötzlich einen Fixbetrag ins Gesetz, der zufällig über viele Jahre gleich blieb und in der Inflation zerfiel. Dann verkürzte man die 9 Monate noch einmal und senkte den monatlichen Ausbildungsbeitrag noch einmal mit der Begründung, dass sich die jungen JuristInnen ja erst einarbeiten müssten (die Bandion-Ortner bekommt für ihre fragwürdige Tätigkeit im islamischen König-Abdullah-Zentrum aber vom ersten Tag an die vollen Megabezüge...). Jetzt kann sich keiner mehr die Gerichtspraxis leisten, ohne bei den Eltern zu wohnen, von den Eltern Geld zu bekommen oder einen Nebenjob zu machen. Von irgendwelchen Zusammenschlüssen der Opfer gab es keine Spur. Wenn Juristen - und es sind fast alle Absolventen betroffen, weil fast jeder das Gerichtsjahr macht - nicht aufmucken, wird die breite Bevölkerung schon gar nicht aufmucken, wenn ihr die Politker das Weiße aus den Augen kratzen.
thomas007
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Re: Plattform für Zivildiener: Letzte Zusammenkunft

Beitrag von thomas007 »

Nun, es ist also entschieden. Die nächsten 20 Jahre wird es also definitiv so bleiben wie es jetzt ist.

Es wäre nett wenn du berichtet könntest, was bei eurem Treffen entschieden wurde.
Flose
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Re: Plattform für Zivildiener: Letzte Zusammenkunft

Beitrag von Flose »

Wir machen weiter. Aber dazu brauchen wir die aktive Unterstützung von Menschen, die mitarbeiten wollen, auch wenn sie von den Erfolgen nicht mehr profitieren werden (anders als bei den Verpflegungsgeld-Beschwerden, wo die Erfolge erst Jahre nach dem Zivildienst eintrafen und Geld zurückgezahlt wurde).
thomas007
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Re: Plattform für Zivildiener: Letzte Zusammenkunft

Beitrag von thomas007 »

Also einen kleinen Mitgliedsbeitrag würde ich schon zahlen, wenn er für die gute Sache verwendet wird...

Das Problem ist wohl die Frage, ob es überhaupt ein Interesse seitens der aktuellen und zukünftigen Zivildiener gibt. Das ist schwierig zu sagen, schließlich kennt man den Verein nicht. Ohne aktuelle Zivis wirds nicht gehen, wie du selbst gesagt hast, mein Zivildienst ist jetzt auch schon eine Weile her.
Eine kleine Website zusätzlich zum Forum wäre finanziell wahrscheinlich nicht mehr drin?

PS: Habt ihr es doch tatsächlich in die Medien geschafft: http://derstandard.at/1358304168503/Deb ... chs-Monate
grannystreichler
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Re: Plattform für Zivildiener: Letzte Zusammenkunft

Beitrag von grannystreichler »

Ich als aktiver Zivildiener bin sofort dabei, auch mit einem Teil meines geringen Verdienstes. Eine eigene Website, die die Plattform für Zivildiener vorstellt und vielleicht auch auf dieses Forum verweist wäre gut (Ich wäre bereit, auch hier mitzuhelfen). Allgemein sollten sich die stillen Mitleser/Leidensgenossen hier registrieren und ein Lebenszeichen von sich geben, ich denke es hilft vielen Zivildienern zu lesen, das auch schon andere den Schas überstanden haben.

Grüße
HaPe
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Re: Plattform für Zivildiener: Letzte Zusammenkunft

Beitrag von HaPe »

Liebe Kollegen,
Meinen Zivildienst habe ich bereits 1978 geleistet. Mein Sohn und Schwiegersohn haben diesen in den letzten Jahren geleistet. Ich würde die Plattform – wenn auch nicht mehr aktiv (Funktion) – sondern mit einem finanziellen Beitrag unterstützen. Hab gar nicht gewusst, dass es diese gibt – der Standard macht es möglich.
Bitte macht weiter und kämpft vor allem gegen diese Ungerechtigkeit, dass Zivis 50% (3 Monate) mehr an Lebenszeit investieren und 3 Monate mehr Einkommensverlust zugunsten des Staates, welcher offensichtlich Geld für Abfangjäger, aber keines für das Funktionieren eines Sozialsystems hat, hinnehmen müssen als Wehrdiener.
Auch ÖGB Chef Hundsdorfer, welcher sonst immer gegen Lohndumping auftritt, hat sich heute (nach den gestrigen ORF Auftritten von Cap und Darabos sowie den ÖVP Politikern) gegen eine Gleichbehandlung der Zivildiener und somit für deren weitere Ausbeutung ausgesprochen. Für mich nach mehr als 30 jähriger ÖGB Mitgliedschaft eine herbe Enttäuschung.
Wir sollten das derzeit gute Image der Zivis nutzen um endlich die Gleichbehandlung in der öffentlichen Diskussion zu thematisieren und letztendlich abzuschaffen – alles Gute
(KontoNr. von der Plattform ?)
Kilian
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Re: Plattform für Zivildiener: Letzte Zusammenkunft

Beitrag von Kilian »

Hallo!
Ich bin derzeit selbst Zivildiener und habe zwar schon früher auf dieser Seite vorbeigeschaut, als ich mich zum Thema Auslandsdienst inforiert habe, weil es für mich aber schon damals ziemlich ausgestorben ausgeschaut hat, habe ich mich nicht registriert. Jetzt bin ich durch den Artikel auf derstandard.at wieder hierher gekommen und habe mir gedacht, dass diese Plattform für Zivildiener eigentlich genau das, ist was jetzt gebraucht wird. Wenn der verpflichtende Dienst für den Staat schon nicht abgeschaffen wird, ist es zumindest wichtig, sich für faire Arbeitsbedingungen einzusetzten.
Ich würde also gerne mithelfen und möchte auch gleich einen Vorschlag machen:
Was haltet ihr davon, die wichtigsten Forderungen (gleiche Dauer wie Bundesheer, ordentliche Dienstzeiten und Bezahlung) zusammenzufassen und zum Beispiel über die Seite Avaaz.org eine Petition zu organisieren um zu zeigen, dass es durchaus viele Unterstützer für diese Ideen gibt. Ich glaube nämlich aufgrund der zahlreichen Postings, die zum Beispiel der Artikel (http://derstandard.at/1358304168503/Deb ... chs-Monate) im Standard ausgelöst hat und aus eigener Erfahrung, dass man die Stimmen der Befürworter einer Reform des Zivildienstes für mehr Gerechtigkeit vor allem einmal sammeln müsste, um auch der Regierung zu zeigen, wie breit die Zustimmung dafür in der Bevölkerung ist.
schöne Grüße, Kilian
Flose
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Re: Plattform für Zivildiener: Letzte Zusammenkunft

Beitrag von Flose »

Danke für das Echo.

Wer den Verein "Plattform für Zivildiener" unterstützen möchte, kann das hier tun:

PSK, Kontonr.: 00092024135, BLZ: 60000 Plattform für Zivildiener, Kennwort: Spende für Vertretungsarbeit

Erste Aufgabe wird sein, die eingeschlafene Homepage wieder zu beleben.

http://web.archive.org/web/200302060200 ... dienst.at/

Hier wäre kundige Unterstützung am dringendsten.
EinDiener
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Re: Plattform für Zivildiener: Letzte Zusammenkunft

Beitrag von EinDiener »

Erstmals möchte ich ein Danke an die Mitarbeiter aussprechen, die schon vieles für den Zivildienst über die Platform erreicht haben.

Da der Zivildienst anscheinend "here to stay" ist, gilt es auch weiterhin sich für die Rechte der Zivildiener einzusetzen.

Dazu gehört, wie ich denke, eine angemessene Bezahlung, eine Verabschiedung von der Bezeichnung "Wehrersatzdienst", vernünftige Arbeitszeiten, Unterstützung nach dem Zivildienst und noch einiges mehr.

Natürlich braucht es auch Interesse von mehr Zivildiener an der ganzen Aktion, vielleicht sind aber auch ja alle zufrieden 9 Monate bzw. 6 Monate definitiv nach Lust und Laune einberufen zu werden und ein Stücken weniger selbstbestimmt leben zu können. :wink:
Azby
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Re: Plattform für Zivildiener: Letzte Zusammenkunft

Beitrag von Azby »

EinDiener wrote:
> Dazu gehört, wie ich denke, eine angemessene Bezahlung, eine Verabschiedung
> von der Bezeichnung "Wehrersatzdienst" [...]

In Bezug auf den Rest gebe ich dir Recht. Nur ist der Zivildienst lediglich als Ersatzdienst rechtfertigbar.
Ich habe oft gehört, man solle doch die Wehrpflicht abschaffen und durch eine reine Zivildienstpflicht ersetzen. Das ist aus verfassungsrechtlichen Gründen kaum zu machen. Die Europäische Menschenrechtskonvention, die in Österreich im Verfassungsrang steht, verbietet Zwangsarbeit. Gerechtfertigt sind lediglich Militärdienst bzw. ein Ersatzdienst aus Gewissensgründen, sowie der Einsatz bei Notständen und Katastrophen und Dienstleistungen, die zu den "normalen Bürgerpflichten" gehören. Als _normale_ Bürgerpflicht wird man einen 9-monatigen allgemeinen Zivildienst nicht rechtfertigen können, da diese Bestimmung eher dafür da ist, Pflichten wie bspw das Schneeschaufeln vor dem eigenen Grundstück durchsetzen zu können.
Man könnte daher, wenn man die Wehrpflicht abschafft, maximal einen Katastrophen-Zivildienst einführen, wo "Zivildiener" nur bei Katastrophen eingesetzt werden könnten. Ein Zivildienst, wie es ihn heute gibt, wäre ohne Wehrpflicht nicht rechtfertigbar und menschenrechtswidrig.
Allein schon deshalb ist das Ergebnis der Volksbefragung aus verfassungsrechtlichen Erwägungen mehr als bedenklich, wenn man sich die Beweggründe jener Leute anschaut, die für die Wehrpflicht gestimmt haben. Denn hier wurde mehrheitlich argumentiert, dass der Zivildienst aufrecht bleiben soll. Der Zivildienst ist aber eben nur ein Ersatzdienst. Die Wehrpflicht aufrecht zu erhalten, um einen "notwendigen" Ersatzdienst aufrecht zu erhalten, ist eine krasse Umgehungskonstruktion.
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Re: Plattform für Zivildiener: Letzte Zusammenkunft

Beitrag von eXtremZivi Klaus »

Ich kann euch echt nur dazu auffordern, organisiert euch, helft euch gegenseitig, einigt euch auf Forderungen und stellt den Standpunkt nach außen dar. Auch wenn ihr selbst vielleicht nicht mehr davon profitieren werdet, die nächste Generation wird es vielleicht schon. Ihr habt die Chance, durch diese Sache Erfahrungen für euer Leben zu sammeln, und einen Blick hinter die Kulissen des Staates, seiner Verwaltung und der Politik zu werfen, wie nur wenige es können.

Ich möchte an dieser Stelle von meinen Erfahrungen berichten...

Ich habe durch meine Mitarbeit bei der Plattform für Zivildiener viele Politiker kennen lernen können. Mit dabei waren Heinz Fischer, Franz Fiedler, Jan Krainer, Alfred Gusenbauer, Norbert Darabos, Helene Partik-Pablé, Silvia Fuhrmann, Theresia Haidlmayr um einige Prominentere zu nennen. Man bekommt Kontakt zu diversen Medien (Zeitungen, Radio oder gar TV) und wurde bei diversen Ereignissen rund um den Zivildienst um Stellungnahme befragt. Man kann dabei lernen, wie man Presseaussendungen formuliert, wie man Öffentlichkeitsarbeit betreibt. Mein persönliches mediales Highlight war die Einladung als Studiogast zur ZIB 2 bei Ingrid Thurnher.

Als Bundessprecher wurde ich zu diversen behördlichen Besprechungen der Zivildienst-Verwaltung eingeladen, durfte beim Österreich Konvent unsere Standpunkte vortragen, schließlich war ich auch stimmberechtigtes Präsidiumsmitglied in der Zivildienstreformkommission 2004, um dort die Interessen der Zivildiener zu vertreten.

Wir haben viele Bundeskongresse für Zivildiener organisiert und unzählige Zivildiener Treffen in Wien gemacht.

Das Hauptaugenmerk damals war wohl die unzumutbare Verpflegungssituation, von der fast jeder Zivildiener von 2000-2006 betroffen war. Wir haben diese mit allen möglichen Schritten bekämpft. Schließlich setzten wir eine Neuregelung rechtlich, nicht politisch, durch. Dabei wurden hunderte Seiten rechtliche Argumente von unserer Seite ins Muster-Verfahren eingebracht. Als juristisch Interessierter habe ich einen Großteil der Argumentation formuliert und Berufungs-Formulare etc veröfflicht. Die durchgesetzte Neuregelung ist leider auch nicht zu unserer vollen Zufriedenheit, aber sie ist jedenfalls besser als die Regelung davor.

Als Bundessprecher ist man das Sprachrohr für alle Beteiligten: die Zivildiener, die Einrichtungen, die Behörden, die Medien. Ich habe fürchterliche Geschichten aus erster Hand gehört. Ich habe noch viele Einzelschicksale im Kopf, aber die meisten sind wohl von den selben Problemen betroffen. Darum macht eine Organisation und gegenseitige Unterstützung so viel Sinn.

Jedesmal wenn ich einen Zivildiener auf der Straße sehe, denke ich mit einem Lächeln an die Zeit zurück und hoffe einfach, dass er was von der Arbeit unserer Generation hat.

Es waren tausende Stunden meiner Freizeit, die ich diesem Thema gewidmet habe.

Ich kann hier nur über meine ganz persönlichen Erfahrungen sprechen, aber ich weiß, dass meine Mitstreiter in der Plattform genau wie ich alles gegeben haben, um die Situation für uns zu verbessern!

Die heutige Zivildiener-Generation kann auf meine initiale Unterstützung bauen, wenn sich die Aktiven wieder organisieren wollen.
Ich habe zum Beispiel damals unzähliges Material gesammelt, und alles akribisch auf eine DVD-R strukturiert und gebrannt und an die anderen Mitstreiter verteilt.
Von Homepage-Backups (zivildienst.at war einst eine blühende Info-Seite), über diverse gescannte Bescheide, gescannte Zeitungsartikel, nicht öffentliche Durchführungserlässe zu Verordnungen und Gesetzen,...

lg, Zivildienstpflichtiger Klaus

PS: lacht sich ins Fäustchen, dass Ex-Innenminister Ernst Strasser wohl doch noch die Rechnung für sein Verhalten von der österreichischen Justiz bekommt. Wenn nicht für die verfassungswidrige Verpflegungssituation über Jahre oder die verfassungswidrige Ausgliederung der Zivildienstverwaltung, dann halt für etwas anderes.
Klaus Lukaschek
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Re: Plattform für Zivildiener: Letzte Zusammenkunft

Beitrag von EinDiener »

Es ist sehr auffbauend zu lesen, dass du es als Bundessprecher so weit gebracht hast.

Nur fürchte ich, dass eine Organisation heute nicht ganz leicht sein wird zumal die Umstände andere sind und es nicht mehr ganz so katastrophale Zustände gibt die mit so starken Emotionen verbunden sind wie das Verpfelgungsgeld, das aber wieder kommen könnte wenn man nicht ständig hinten nach ist. So wie damals aber auch heute geht es vielleicht noch stärker um Richtungsentscheidungen geht, um Entscheidungen was der Zivildienst der Gesellschaft wert ist und was es jungen Menschen zusätzlich abverlangt in wirtschaftlichen Zeiten die recht turbulent.
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Re: Plattform für Zivildiener: Letzte Zusammenkunft

Beitrag von thomas007 »

Es freut und überrascht mich jedenfalls, dass die neuesten Entwicklungen ein gewisses Interesse für die Stellung der Zivildiener hervorgebracht hat. Wenn sich tatsächlich eine Gruppe findet, die sich für die Rechte der Zivildiener auch heute noch einsetzt, biete ich auch meine Unterstützung an. Ich kann zwar nichts, aber wenigstens habe ich mich etwas mit dem ZDG auseinandergesetzt und lese hier schon seit längerem über die Probleme der Zivildiener ;) .
Letztendlich schließe ich mich dem früheren Posting von Flose an, die Initiative sollte von Betroffenen kommen. Ich weiß dass das nicht einfach ist, die Mühlen der Politik mahlen langsam, und von tatsächlichen Erfolgen würde wohl kein aktueller Zivildiener mehr etwas haben. Dennoch zahlt es sich immer aus, für die "Gute Sache" zu kämpfen. Zivildiener können nur gemeinsam etwas erreichen, und der Zeitpunkt für Veränderungen ist jetzt oder nie. Die SPÖ war bis Sonntag noch für eine faire Bezahlung im Sozialbereich, die ÖVP findet keine besseren Argumente als dass "es immer schon so war". Für eine sachliche Diskussion braucht es Argumente, und da sollten wir mit der heutigen Politik durchaus mithalten können...
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Re: Plattform für Zivildiener: Letzte Zusammenkunft

Beitrag von lubo1992 »

Liebe Freunde,
Ich bin gerade als Zivildiener tätig und bin ich noch immer von der Volksbefragung vom 20.Jänner enttäuscht. Trotzdem müssen auch beim Zivildienst Reformen her. Ich bin gerne bereit gar ein "Zivildienst-Volksbegehren" zu gründen. Nur bräuchte ich Hilfe in Form von Reformideen (gleiche dauer wie wehrdienst, faire entlohnung, anrechenbarkeit für beruf/ausbildung, wegfall der 18tagesregel), von Präsenz (hOMEpage, facebook etc) und natrürlich in finanzieller form.

Oder wäre eine bürgerinitiative sinnvoller? :D

liebe grüße
ein gegenwärtiger zivi
thomas007
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Re: Plattform für Zivildiener: Letzte Zusammenkunft

Beitrag von thomas007 »

Hier habe ich ein paar Ideen notiert: http://ziviforum.com/phpbb/viewtopic.php?p=77212#p77212
lubo1992
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Re: Plattform für Zivildiener: Letzte Zusammenkunft

Beitrag von lubo1992 »

danke, thomas007.

ich werde diese vorschläge aufnehmen.
die grundforderung sollte die senkung des zividienstes auf 6 monate sein. ein model "6plus3" wäre hier am sinnvollsten. 6 monate pflicht plus mögliche verlängerung auf 9 monate. wäre das ein passabler vorschlag?
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